Die letzten Tage waren ein einziges Träumchen, daran besteht absolut kein Zweifel.
Als wir in Noosa ankamen, mussten wir uns nach accomodation umschauen, deswegen gingen wir zur örtlichen tourist information centre, um ein Hostel zu ergattern. Der Deal sah folgendermaßen aus:
Der erste Abend wurde im örtlichen YHA verbracht, welches sich als aus 2 Queenslandern (das sind wunderschöne, ausschließlich in Queensland gebaute, Holzhäuser, welche vorallem viel Schatten und Veranden bieten) zusammensetzte. Da YHAs von Natur aus saumäßig teuer sind, haben wir am nächsten Tag zu einem weit günstigerem Hostel gewechselt, von dem aus wir in Noosa wandern und auch zum Strand gegangen sind, soweit das Wetter das zuließ – Es war ziemlich relaxed.
Am letzten Abend kam uns dann tatsächlich die Idee, endlich mal eine Tour auf Fraser Island, der größten Sandinsel weltweit, zu buchen. Von diesem Zeitpunkt an hatten wir einfach nur noch Glück, da man normalerweise 5 Tage im Vorraus buchen muss, wir aber mit nichtmal 24 Stunden im Vorraus noch in eine Tour hineinkamen, verdammtes Glück mit dem Wetter hatten (es regnete sowohl vor unserer Ankunft auf Fraser als auch nach unserem Abschied von diesem Paradies), und auch noch extrem lustige Leute dabei hatten.
Die Tour, die wir gemacht haben, nannte sich Tag-Along-Tour, da man einem Tourguide mit einem geländegängigem Wagen hinterfuhr. Unsere Gruppe bestand aus 3 Wagen mit jeweils 7 Leuten plus Tourguide. Da man diese Wagen erst ab 21 fahren durften, kamen nur die 2 Engländerinnen und ich in den Genuss, über Offroad-Strecken im Inland als auch am Strand, welcher gleichzeitig als offizieller Highway für Autos und Dingoes UND Landebahn für Flugzeuge genutzt wurde, zu fahren, und glaubt mir, es macht einen Heidenspaß, über Pisten mit Schlaglöchern und Wurzeln zu fahren. Da ich der erste Fahrer war, habe ich den Rest der „Crew“, bestehend aus Jonas, Daniel, zwei Österreicherinnen namens Laetitia und Lorena und den zwei Engländerinnen namens Charlotte und Laura in meiner Bescheidenheit gebeten, mich mit „Captain“ anzusprechen, was natürlich auch direkt angenommen wurde. Die Engländerinnen waren zwar auch Captains, allerdings war ich dann doch irgendwie ranghöher! :D
Unser Tourguide war sichtlich bemüht, alle unserer Fragen über Flora und Fauna zu beantworten, was ihm auch gelang. Als es aber Abend wurde und wir zu unserem Camp zurückfuhren, wurde er, ähm, leicht unprofessionell, was nicht heißen soll, dass er dadurch irgendwie weniger gut als Tourguide gewesen wäre, aber doch irgendwie erschreckend menschlich:
Da das Camp immer von zwei Gruppen gleichzeitig benutzt wird, welche mit einem Tag Unterschied auf der Insel ankommen, hat man jeden Abend andere Personen neben sich sitzen, was gewiss nicht schlecht ist. Grade die erste Gruppe habe ich sehr genossen, weil diese zu knapp 90% aus amerikanischen Studenten bestand, welche ein Auslandssemester in Australien verbringen. An sich ist das nichts schlimmes, allerdings waren diese Amerikaner (und sowas habe ich noch nie vorher gesehen, und dabei habe ich einige Amerikaner kennengelernt, sowohl in Deutschland, als auch hier) das exakte Bild von dem, was man sich in Europa von einem Amerikaner vorstellt: Dumm, laut und vorallem in jeglicher Hinsicht unbedarft. Das ging so weit, dass ich einfach neben den Amis saß, brav meinen Goon trank und regelmäßig heulen musste vor lachen, weil es quasi American Pie in der Realität war. Und genau hier tritt unser Tourguide ins Spiel, welcher sich selbst Cherry nannte.
Cherry machte tagsüber seinen Job, nachts fing er an, mit uns zu trinken. Allerdings benutze er keine Tassen, um Goon zu trinken, nein, er trank ihn direkt aus dem Sack. Kenner wissen, dass damit die letzte Hemmschwelle in Form einer Tasse, mit der man wenigstens einigermaßen feststellen kann, wieviel man gesoffen hat, wegfiel. Als also seine 4 Liter des bekömmlichen Weins leer waren, setzte er sich freudenstrahlend mir und einer Amerikanerin gegenüber und erklärte uns, dass er einen weiteren Goon geklaut hat. Dumm nur, dass die Amerikanerin mir ungefähr zwei Minuten vorher erzählt hat, dass ihr Goon geklaut worden ist! Was folgte, war ein Mix aus Armdrücken und Streiten, was mir zu hysterischen Lachanfällen verhalf, bestimmt 30 Minuten lang. Das Resultat war, das Cherry den Goon behielt und ihr einfach einen Anderen klaute. Wie gesagt, erschreckend menschlich!
Abgesehen davon haben wir viele wunderschöne Dinge gesehen, beispielsweise Lake MacKenzie, ein tiefblauer See inmitten der Insel. Auch lag unser Camp direkt an dem besagten Highway, auf dem wir am ersten Abend Fußball spielten, was ab und an durch vorbeifahrende Autos, Dingoes oder startende Flugzeuge unterbrochen wurde – Ziemlich imposant!
Nachdem wir dir Insel dann schwerzen Herzens verließen, verbachten wir eine weitere Nacht in Hervey Bay, unserem Ausgangspunkt für Fraser Island. Danach fuhren wir hoch nach Townsville, wo wir aktuell leben. Townsville ist fast genausogroß wie Cairns, allerdings unfassbar verschlafen, ich freue mich daher, diese Örtchen in der Größenordnung von Koblenz bald wieder verlassen zu können.
So viel von mir,
Jonas
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen