Donnerstag, 23. Dezember 2010

Heißes Manjimup ist verdammt heiß, 23.12.2010

Warme Socken an den Füßen und auf den Weihnachts(soja)braten wartend, haben sich anscheinend ein paar von euch Nasen gefragt, was ich momentan so mache, oder in den letzten Tagen und Wochen gemacht habe. Nunja, es ging hier ab wie GZSZ meine Freunde des eisigen Deutschlands, es gab Verrat, Romanzen, aber im Gegensatz zu GZSZ immer genügend Bier.
Nun denn, so lasset uns beginnen!
Nachdem ich meinen Appletreepruning-Job beendet hatte, arbeitete ich auf einer anderen Farm und pflückte unreife Pflaumen, Pfirsische und Äpfel, so dass die Äste nicht mehr überladen sind und für die einzelne Frucht am Baum mehr Nährstoffe zur Verfügung stehen, denn Größe gleich Gewicht gleich Geld. Ich habe dort 5 Wochen gerarbeitet und es wären sogar 6 gewesen, wenn einer meiner sogenannten Freunde in diesem Hostel mir nicht massiv den Dolch in den Rücken gerammt hätte. Ich war krank und er, namentlich Vince der Franzose, der mit mir auf der selben Farm arbeitete, ging zur Farmerin und sagte, dass ich simulieren würde. Die Farmerin, die unter massivem Zeitdruck stand, feuerte mich kurzerhand einfach, ohne irgendetwas gegenzuprüfen. Mieses Arschloch, eigentlich habe ich den zu meinen Freunden hier gezählt, aber der sah das wohl ein wenig anders aus Gründen, welche ich schlicht nicht nachvollziehen kann.
Das Resultat war, dass ich eine Woche lang im Hostel ohne Arbeit saß und im Prinzip nichts anderes tat als Fernsehen gucken, was einen nach einer gewissen Zeit massiv anpisst, selbst wenn permanent Kickboxen am Laufen ist (Ist es nicht einen schönes Gefühl, anderen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig die Scheiße aus dem Leib prügeln? :D). Ich war sogar kurz davor, Manjimup zu verlassen, bekam dann aber tatsächlich noch ein paar Jobs wie Unkraut jähten auf einer Blumenkohlfarm (als ich ankam dachte ich, dass die Unkraut und keinen Blumenkohl anbauen, soviel Unkraut war da überall!), gelegentliche Arbeit auf einer Traubenfarm (FLIEGEN, überall FLIEGEN, um Gottes Willen!) als auch vier Tage Arbeit auf einer Kirsch-Farm, welche ich aber nach 4 Tagen verlassen habe und ums verrecken nicht mehr hingehen will, denn dieser Job war auf Contract-Basis, soll heißen, dass man für die Menge an gepflückten Kirschen bezahlt wird. Wir bekamen 1,50$ pro Kilo, was an sich ein guter Preis ist, würde der Farmer nicht ständig versuchen, einen um seine Kilos zu bescheißen. Jedes Mal, wenn der Farmer deine prall gefüllten Eimer voll Kirschen abholte, musste man daneben stehen, weil er die Kirschen erste wog und die Menge dann auf ein Blatt Papier schrieb. Angenommen, ich habe einen Eimer mit 12 Kg Kirschen (und die brauchtest du pro Stunde, um einen Lohn von 18$ die Stunde zu erreichen, dem normalen Backpackerlohn in Western Australia) und passe nicht auf, schreibt der Dreckssack 11 Kilo auf, ein Kilo verschwindet einfach im Nirvana, was es noch härter machte, überhaupt irgendwie Geld da zu verdienen. Und ich kann getrost auf einen Job scheißen, bei dem ich 11 bis 12 Stunden am Tag arbeite und aufgrund von schlechten Kirschbäumen und einem bescheißenden Farmer mit 80 $ am Ende des Tages rausgehe, davon kann man in Australien schlicht nicht leben. Einer der Italiener, mit denen ich dort gearbeitet habe (und die Gott sei Dank dieselbe Musik wie ich hören und damit die ersten Menschen in Australien sind, die meinen Musikgeschmack teilen) wurde gefeuert, weil er den Farmer „in flagranti“ erwischt hat, wie er versucht hat, ihn abzuziehen und er sich das nicht gefallen lassen wollte. Das war der Punkt, an dem ich mich für eine Kündigung entschied.
Was die Romantik angeht, haben wir hier einen Koreaner namens Jaeho, der nebenbei einfach einer der lustigsten Menschen in diesem Hostel ist, welcher wochenlang um die Gunst seiner jetzigen Freundin Joey gekämpft hat. Eines Abends haben Sven und ich ihm geholfen, Kerzen zu einem Gang, welcher in einem Herz endet, zu formen. Hat ewig gedauert, weil der Wind die Kerzen andauernd ausgeblasen hat, aber für Jaeho war das der Jackpot, weil es funktioniert hat. Mir war das ein wenig arg schmalzig. :D
Summa summarum habe ich genügend Geld um zu Reisen, allerdings brauche ich noch 6 verdammte Tage für mein zweites Visum. Ostküste, mach dich bereit, ab dem 04.01.2011 mach ich dich unsicher!
Und da sich meine Zeit in Manjimup dem Ende neigt, will ich euch ein paar der Menschen vorstellen, die mir hier wichtig sind und die mir das Leben in den letzten 4 Monaten hier um einiges angenehmer gemacht haben.
Falls nicht anders gekennzeichnet spreche ich immer vom deutschen Sven, nicht dem Estländischem.

Rick
Ein paar Tage, nachdem ich ankam, brach sich Rick zwei Rippen im Hostel und konnte aufgrund dessen nicht arbeiten, was heißt, dass der wohl alle zwei Tage eine 5l-Box Goon platt machte. :D
Er ist seit 4 Jahren in diesem Hostel und somit die Ansprechperson, wenn irgendwas nicht in Ordnung ist oder man Fragen zur Geschichte und den ehemaligen „Insassen“ des Hostels hat. Nebenbei ist er stets fröhlich und immer zu Witzen aufgelegt. Klasse Kerl!


Zac
Kiwi-cunt! Dieser verdammte Neuseeländer wurde zu einem meiner besten Freunde in diesem Hostel, weil er ehrlich ist und wir uns immer gegenseitig aushalfen, falls einer keine Ziggaretten, Bier oder Essen hatte, was dann immer mit einem „Warriors!“ kommentiert wurde. Außerdem ist er für seine geilen Vergleiche bekannt, wie „Wenn du in Disneyland warst, willst du nicht mehr ins Movieworld, verstehste?“ oder „ Weißte, Leichtbier ist für Leute, die sich ein bisschen gay fühlen, aber noch nicht gay genug für einen Alcopop.“ – Traumhaft! :D
Außerdem ist er mein Partner in unserem Franchise-Unternehmen namens „Burgermate“ in Australien und „Burgerbro“ in Neuseeland.


Jaeho
Wie ein Kotlett – von beiden Seiten bekloppt. Hat immer einen dämlichen Spruch auf Lager und mit Dan die schlimmste Dreckssackslache in diesem Hostel. Jaeho ist IMMER mit Bier ausgestattet und hat sich mit uns das Kochen geteilt, sodass Sven, Jaeho und ich jeweils einmal in 3 Tagen für die anderen Kochen mussten, was super war, denn er hat in Korea als Koch gearbeitet und somit immer leckeres koreanisches Essen gezaubert. Wir haben aber keine Hunde gegessen!


Dan
Englandhassender Brite, ursprünglich von Birmingham. Der Plan von ihm ist, solange wie möglich fern von England zu bleiben. Cooler Kerl mit einer ziemlich dreckigen Lache, vielleicht diesen Sommer in live und in Bewegung zu bewundern!





Siim
Einer der ersten Estländer, die ich hier kennengelernt habe. Groß, stark, böse aussehend und sehr, sehr still – mit einem Herz aus Gold. Nachdem, was er mir vor ein paar Tagen erzählt hat, ist er das Backpackerleben langsam leid. Vielleicht auch bald in Deutschland zu bewundern.



Jaak
Jaak 1 ist ein witziger Kerl, welcher unter der Woche im Hostel lebt und seit Ewigkeiten für den selben Farmer arbeitet. Jaak 2 vertritt Jaak 1 am Wochenende, trink unmenschlich viel Goon, ist sehr schnell beleidigt und labert die meiste Zeit nur Müll. Es ist ziemlich krass, was Alkohol aus ihm macht, denn er ist eigentlich ein lieber Kerl.



Karli
Karli kam mit 3 anderen Estländern hier an, welche weder mit anderen sprechen noch irgendwie sichtbar im Hostelleben sind. Karli ist anders (sprich: normal) und wurde deshalb mehr oder minder von seinen Freunden verstoßen. Sven und ich haben ihm angeboten, mit uns zu reisen, leider Gottes hat er nicht genügend Geld.


Sage
Sage ist einfach nur Sage, nicht ganz richtig im Kopf, aber sehr freundlich. Wenn man sie nach ihrem Alter fragt, lügt die Alte einfach nur, tatsächlich ist sie 28 Jahre alt. Sie hat auch den Beinamen „cock blocker“, weil sie Männer anzieht, dann aber nicht weiter intressiert ist. Schäm dich, Sage!


Eliaz
Kam erst vor Kurzem in Manji an, ist aber ein feiner Kerl und hat mir mein Netbook abgekauft, sodass ich mir ein Neues kaufen konnte. Spricht als Deutsch-Franzose, welcher in England studiert hat, 3 Sprachen fließend, was mich schon ein bisschen neidisch macht. Sein Spitzname ist Jesus, wenn ihr mich fragt, sieht er eher aus wie Karl Marx. Wenn Karl Marx Jesus ist, wer ist dann Gott? Fragen über Fragen...



(estländischer) Sven
Sven und ich sind alte Veteranen der „army of the unemployed“ und haben aus diesem Grund „Parties veranstaltet“ um die Armee der Arbeitslosen zu feiern. Sehr gediegener Kerl, will, wie die meisten Estländer ein Auto in Deutschland kaufen, weil die Autos in Deutschland sehr viel günstiger sind als in Estland.


Eric und Summer
Kamen auch erst vor Kurzem an, sind aber zwei der wenigen Beispiele dafür, dass Taiwanesen auch an anderen Menschen abgesehen von Taiwanesen intressiert sind. Eric und Summer wurden auch von George, dem Kirschfarmer, beschissen. Eric hat am selben Tag wie ich gekündigt. Summer hat mir beigebracht, in Mandarin von 1 bis 999 zu zählen. :)


Joey
Jaehos Angebetete, 2 Wochen hat er um die gute Frau gekämpft und sie letzten Endes auch bekommen. Angenehme Person, immer gut gelaunt.


Janelle
Liebt mich abgöttisch, weil ich ihr ein Bier gereicht hab, nachdem ich sie nach ihrem Namen gefragt habe , seitdem hat man viel miteinander zu tun und bringt sich gegenseitig Deutsch und Mandarin bei.


Mickey
Politisch inkorekkter, rassistischer Bastard, was ihn allerdings nicht davon abhält, mit einer Hongkongnesin zusammen zu sein. Nachdem sein Working Holiday-Visum ausgelaufen ist, arbeitet er als illegaler Einwanderer für Naomi, allerdings nur unter der Woche. Am Wochenende schläft und trinkt er auf einem der Sofas rund ums Feuer, der alte Schluckspecht.

Naomi
Naomi führt das Hostel und das Tolle daran ist, dass sie sehr auf persönlichen Kontakt aus ist, was heißt, dass du, anders als im Otto-Normal-Hostel, keine Nummer oder ein Raum bist, sondern mit deinem Namen angesprochen wirst und dich auch ab und an einfach mit der guten Frau unterhälst. Sie arbeitet rund um die 12 bis 14 Stunden am Tag, um das Hostel am Laufen zu halten.


So, alle vorgestellt, die wichtig sind, abgesehen vom deutschen Sven, was daran liegt, dass ich mit noch ein Weilchen reisen werde, deswegen bin ich einfach faul und verschiebe das nach hinten, bis es dringend wird.

Um ein kleines Fazit von Manji zu ziehen, kann ich sagen, dass ich meinen Aufenthalt hier sehr genossen habe, was nicht unbedingt an dem dreckigen Hostel, den mies funktionierenden Duschen, dem teuren Zugang zum Internet oder dem miesen Handyempfang liegt, sondern schlicht an den Menschen hier. Man trifft so viele intressante Backpacker hier, viele sind schon seit Monaten hier und haben nicht vor, so schnell wieder zu gehen und ich bin auch ziemlich sicher, dass ich hier nochmal hinkommen werde, allerdings weiß ich nicht, ob ich das in meinem 1. Jahr mache oder im 2., welches ich hoffentlich an der Ostküste erhalte.

So, Word sagt 1.792 Wörter und 5 Seiten, langsam ist auch mal gut jetzt hier, oder was?
Werde wohl wieder regelmäßiger schreiben, sobald ich wieder in Perth bin, weil es einfach mehr zu berichten gibt, wenn man auf Achse ist.
Nun denn, gut jetzt.

Jonas
P.S.: Sorry, ich habe vergessen, Weihnachtskarten zu schicken. Bitte sehts mir nicht nach.
P.P.S.: Es fehlen ein paar Bilder und Personen, ich versuche, diese nachzureichen!
P.P.P.S.: Über Weihnachten sind mehr als 35 Grad gemeldet, sollte ich nicht mehr schreiben, bin ich wahrscheinlich zerflossen.

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