Samstag, 25. September 2010

Immer noch nichts Neues im Westen, Manjimup, Samstag, 25. September

Da hier im Großen und Ganzen doch nicht viel passiert, habe ich mir gedacht, dass ich mal ein kleines Backpacker-ABC erstellen sollte, zum Einen aus beschäftigungstherapeutischen Gründen, zum Anderen, um euch im trist-kalten Deutschland zu unterhalten. Außerdem möchte ich ein kleines Fazit über meinen bisherigen Aufenthalt in Australien geben, da ich immerhin schon mehr als 3 Monate, soll heißen: mehr als 90 Tage in Australien bin.

Aaaaaaaaaaaaaber zuerst:
YEAH, ICH HABE EIN QUEEN-SIZE-BETT IM JADZIE-WING ERGATTERT!
Einen Monat habe ich darauf gewartet, taktisch geplant und Niederlagen und Rückschläge einstecken müssen, aber jetzt habe ich ein Bett gigantischer Ausmaße als mein Domizil erklären können, ebenso habe ich jetzt die Möglichkeit, die Klimaanlage in Zeiten der Not (soll heißen: den gesamten November über) zu benutzen.
Eher mehr so die Upper-Class-Backpacker-Schiene, if you know what I'm talking about. ;)

Aber nun zurück zum ABC.
Man möge es meiner Person verzeihen, dass sie ihren Stil durch Stilbrüche beschreibt und es sich dadurch leichter macht, dass zwischen englischen und deutschen als auch zwischen sinnvollen und unverhältnismäßig verblödeten Wörtern gewechselt wird. Aber da ihr mich kennt, ist zweiteres wohl Alles in Allem nichts Neues.

So denn, fangen wir an!

A- Alkohol – Tröster in schlechten Zeiten, inoffizielles Währungsmittel unter Backpackern als auch ein absolut trendiges Mitbringsel, allerdings durch hohe Steuern stets teuer.
Acommodation – Oft teuer, dreckig oder mit Asozialen bestückt, doch immer dringend benötigt

B- Bier – Wenn ich australisches Bier wäre, wäre ich lieber europäisches. Weißte Bescheid!
BBQ – Auch liebevoll Barbie genannt, ist immer eine Zusammenkunft von hungrigen und durstigen Menschen. Fleisch essen sollte man nach Möglichkeit, es gibt im Prinzip nur Fleisch und Brot.

C- Car – Eine der mächtigsten Waffen zum Vernichten von Kilometern und schlicht das Totschlag- Argument in Job-Agenturen. Wer das Auto hat, hat die Macht, die Macht befähigt dazu, Mitreisenden das Schweigen zu befehlen und einen königlichen Anspruch auf einen Job zu ergattern.

D- Dog – Der Hund, den ich gerade anschaue, schläft bevorzugt auf dem Rücken und streckt alles von sich, raffiniert!

E- Eftpos – Gott segne diese Technik. Man braucht nicht mal zwingend einen Bankautomaten, um an Bargeld zu kommen.

F- Fuck – Dass dieses Wort vielseitig benutzt werden kann, war mir bewusst, aber nicht, dass du im Prinzip alles damit ausdrücken kannst. Sätze wie „Fuck me, fuck that fucking fuck up, for fuck's sake!“ haben plötzlich eine klar definierte Ausage.

G- Goon – Grund und Mittel zum täglichen Zelebrieren der Nacht. Ohne Goon wäre die Welt ein trister Ort.
H- Hostel – Unterkategorie von Accomodation, fasst zwischen 700 und 10 Backpackern und bietet dem geneigten Reisenden ein (nicht immer) sauberes Heim für ein paar Tage. Oft als die vermeintlich letzte Bastion des Sozialismus' gesehen, entpuppen sich viele Exemplare als Wirt
asozialer Kräfte.
Hygiene – Manchmal.

I- Ipod – Bewahrt den Arbeiter davor, bei stets monotonen Arbeiten wahnsinnig zu werden.

J- Jug – Fasst 1125 ml australischer, bierähnlicher Flüssigkeit und ist durch Mengenrabatt rentabel.

K- Kathrine – 300 km südlich von Darwin, die letzte Bastion der Zivilisation bis Broome westlich und Mount Isa östlich.

L- Lost in Translation – Verloren geht so einiges, die Intention deiner Sätze bleibt leider nicht verschont.

M- McDonalds – Nicht nur feinstes Essen, nein, in 99% der Fälle bietet das Restaurant zur goldenen Möwe dem Besucher auch die Möglichkeit, kostenlos die allzu knappe Ressource „Internet“ zu benutzen.

N– Natur – Gibt’s hier im Überfluss, im Outback dann doch zuviel. Man öffnet die Autotür im Outback und hat 100 Fliegen im Auto.

O– Oven – Seltenst verfügbar, Tiefkühl-Fraß fällt daher meistens aus.

P- People – Die meisten Einwohner dieses Landes sind freundlich und hilfsbereit. Die typische Begrüßung „How'se'goin?“ führt immer wieder zu intressanten Gesprächen mit Einheimischen.

Q- Qantas – DIE australische Airline.

R- Rego – TÜV in Australien, beim Auslaufen der Alptraum für Backpacker mit Auto. Führt zum Feldzug durch die australische Bürokratie.

S- Starcraft – Koreanischer Volkssport. Versuch gar nicht erst, Koreaner zu besiegen, es macht schlicht keinen Sinn.
Sozialismus – Ach, was wäre Marx stolz! Hier kaufst du Güter des täglichen Gebrauchs für alle,
gewollt oder nicht.

T- Tabacco – Zweites inoffizielles Zahlungsmittel unter Backpackern. Hat ein bisschen was von Knast.

U- United – Hier ist die Welt ein Dorf, man kommt mit Menschen aller Nationen in Berührung.

V- Visa – Heiliges Dokument, welches das Betreten roten Bodens gewährt.

W- Woolworths – Heiliger Tempel. Gehuldigt wird Lebensmittel, gegen eine Spende kann man Lebensmittel zu Hause dem eigenen Magen opfern.

X- Xenophobie – Sperrig, ich weiß. Gibt’s hier unten trotz sehr multikultureller Gesellschaft auch. Obacht im Outback!

Y- Young - „You'll never get old when you backpack.“ Danke, Dan.

Z- Zelebrieren – Egal aus welchem Grund, es muss gefeiert werden. Das tägliche Zelebrieren ist stets in die Tagesplanung zu integrieren.

Puh, ich habs geschafft! Hat mich 4 Stunden und eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Bierdosen gekostet.

Nach 3 Monaten kann ich sagen, dass mir das Backpacken ziemlich zusagt. Man lernt haufenweise Leute kennen, wird selbst offener für Fremdes und lernt, wie man sich selbst zu organisieren hat, damit man halbwegs überlebt. Kochen führt dabei nach wie vor zu Frustation, aber man wird stetig besser und zaubert mitunter köstliche Mahle. Habe vorgestern Pellkartoffeln mit Erbsen und Möhren, einer Zwiebel-Pilz-Sauce und Känguru-Steaks für Sven und mich gezaubert und war ganz stolz auf mich.
Und genau das ist ein anderer Punkt, der mir am Wichtigsten ist: Man lernt, sich über ganz banale und kleine Dinge riesig zu freuen. Als ich gestern zum ersten Mal in dem riesen Bett geschlafen habe, war ich vollkommen zufrieden mit mir, dass ich mich drum gekümmert habe und sich meine Privatssphäre von anderthalb auf 3 m² vergrößert hat. Vielleicht verblöde ich auch einfach vor mich, manche denken sich wahrscheinlich grade jetzt, dass sie das schon lange beobachten konnten, aber ich bin mit sehr wenigen und einfachen Sachen einfach sehr glücklich, was sich auch in meinem Schlafpensum bemerkbar macht. Ich schlafe, seitdem ich in Perth war, wesentlich besser.
Auf der anderen Seite vermisse ich meine ganzen Hasen aus Deutschland und werde manchmal echt vom Heimweh gepackt, wenn man erzählt bekommt, was zu Hause gerade so abgeht.

Fazit: Leute, wagt es, es ist in jeder Hinsicht eine Erfahrung wert!

Jonas

P.S.: Wie immer werd ich mir meinen Text nicht noch einmal durchlesen, hat mich genug Zeit gekostet. Hab nicht soviel, aber immerhin ist der Montag frei, die Queen hat Geburtstag :D

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